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  • Marc Melich-Mautner

Echte und gefälschte Ikonen erkennen

Aktualisiert: 18. Okt. 2021

An die Frage der Datierung und der Stilanalyse schließt sich auch oft die Frage an, ob es sich tun eine echte oder gefälschte Ikone handelt. Von einer Fälschung muss bei Ikonen dann gesprochen werden, wenn versucht wurde, einen alten Stil zu kopieren, um eine alte Ikone vorzutäuschen. Bei russischen Ikonen sind kaum Fälschungen bekannt. In Griechenland dagegen haben es bestimmte Malschulen in neuerer Zeit im Fälschen zu großer Perfektion gebracht. Selbst Museen konnten bis in die jüngste Zeit getäuscht werden.

Wenn Teile der alten Ikone noch erhalten sind, -andere aber nachträglich ergänzt wurden, ohne dass ausdrücklich auf diese Restaurierung im Katalog oder vom Fachhändler hingewiesen wird, spricht man von einer Teilfälschung. Es kommt auch zuweilen vor, dass eine alte Ikone eine junge Basma erhalten hat, die im alten Stil gefertigt wurde. Mit dieser Verkleidung lassen sich zum Beispiel Randschäden gut kaschieren. Auch hier sollte ausdrücklich erwähnt sein, daß es sich nicht um eine Original-Basma handelt.

Ein Fachmann mit großer Erfahrung wird meist sehr rasch feststellen können, ob es sich um eine echte oder falsche Ikone handelt. Doch verschiedene Kriterien kann sich auch der Laie aneignen:

Die Rückseite zeigt, ob das Holz mit dem Beil zugehauen wurde, wie es bei sehr alten Ikonen der Fall ist. An der Art, wie die Querstreben, die "Sponki", auf der Rückseite eingeschoben sind, läßt sich ebenfalls häufig auf das Alter der Ikone schließen. Wurmlöcher zeigen nicht immer das wahre Alter der Ikone an. Um zu täuschen, wurden im 20. Jahrhundert Ikonen auf altem Holz gemalt, das bereits Wurmlöcher aufwies. Künstlich erzeugte Wurmlöcher haben gerade Gänge im Unterschied zu den unregelmäßigen natürlichen Wurmgängen. Auch an den Krakelüren, den Rissen in den Farb¬und Firnisschichten, lässt sich häufig das ungefähre Alter der Ikone ablesen. Doch auch hier ist man vor Täuschungen nicht sicher. Wenn man nämlich in jüngster Zeit gemalte Ikonen großer Hitze aussetzt, entstehen Risse, die sich allerdings von denen, die durch natürliche Alterung hervorgerufen wurden, durch ihre Form unterscheiden.

In allen Zweifelsfällen wende man sich an den Fachmann oder an Institute und Forschungslabore, die durch eine Materialuntersuchung Alter und Echtheit von Kunstgegenständen bestimmen. Beim Kauf einer Ikone sollte man unbedingt auf eine Echtheitsbescheinigung (Expertise) bestehen. Sie sollte zunächst einmal die Provenienz der Ikone angeben. Bei einigen Ikonen lässt sich die Schule bestimmen, aus der sie stammen. Das ist vor allem bei solchen aus der Palecher, häufig auch bei denen aus der Moskauer und Nowgoroder Schule der Fall. Doch es beeinträchtigt nicht den Wert einer Ikone, wenn die Herkunft nur mit "russisch", "griechisch" oder "bulgarisch" angegeben wird.

Auch das ungefähre Alter der Ikone sollte in dem Zertifikat aufgeführt sein. Da jedoch ein Thema über lange Zeit hinweg bis in die Einzelheiten gleichartig dargestellt wurde, sind zwei Jahrhunderte als mögliches Entstehungsdatum nicht selten, in Ausnahmefällen ist der Zeitraum noch größer. Auch ein Hinweis darauf, wann das betreffende Ikonenthema aufkam, wird oft möglich sein.

Schließlich sollten in dem Zertifikat das Thema ausführlich beschrieben und die dargestellten Personen namentlich aufgeführt sein, eventuell mit Angabe ihrer Namenstage. Ein seriöser Kunsthändler, der auf Ikonen spezialisiert ist, und ein fachlich versierter Sammler werden im allgemeinen in der Lage sein, eine Expertise auszustellen, das den Anforderungen genügt.

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