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  • Marc Melich-Mautner

Wie werden Ikonen gemalt?

Aktualisiert: 18. Okt. 2021

Ikonen werden nicht gemalt, sondern „geschrieben“! Ikonen sind heilige Bilder. Sie unterliegen festen Regeln, die sich aus ihrem Sinn und Ziel ableiten. Ikonenmalen ist Gebet. Während der Arbeit steht der Maler im geistigen Zwiegespräch mit der dargestellten Person. Nicht jeder darf Ikonen malen bzw. schreiben. Auf den heiligen Konzilien wurde folgendes festgelegt: Der Maler soll friedliebend, demütig und fromm sein. Er soll nicht leicht reden oder Späße machen, nicht streitsüchtig oder gehässig sein. Zu seinem eigenen Heil soll er die Reinheit der Seele und des Leibes bewahren, und -wenn er nicht unverheiratet bleiben kann, so soll er sich wenigstens kirchlich und gesetzlich trauen lassen. Er soll sich Rat bei seinem Beichtvater holen und gemäß dessen Belehrung bei Fasten und Beten enthaltsam und demütig, ohne Ungezogenheit und Schande lebend, mit großem Eifer und mit Hingebung die Bilder unseres Herrn Jesus Christus und seiner reinsten Mutter, der heiligen Propheten, Apostel, Märtyrer, seligen Frauen, der Hohepriester und seligen Väter malen.

Der Meister tritt hinter sein Werk zurück, bleibt anonym. Seine Arbeit ist Dienst an Gott, eine andere Form der Anbetung. Nur wenige Ikonenmaler kennen wir mit Namen, den frühesten aus dem 11. Jahrhundert. Im Allgemeinen entstanden Ikonen in Malschulen der Klöster. Es gab sie bereits in justinianischer Zeit an vielen Orten im oströmischen Reich, auf dem Balkan und auf Kreta sowohl wie in Syrien, Podlinniks genannt, die von einzelnen Malern oder den Malschulen angelegt wurden. Nur wenige sind uns erhalten geblieben und nur solche aus jüngster Zeit. Doch sie enthalten die von alters her über-lieferten Auffassungen über Gestaltung von Themen und Motiven sowie Malanleitungen. Das umfangreichste dieser Art ist die Hermeneia aus dem 18. Jahrhundert. Mönche auf dem Berge Athos, wo es heute noch eine berühmte Ikonen-Malschule gibt, haben es verfasst. Aus der russischen Stroganow-Schule, die von etwa 1580 bis 1620 bestand, stammen Malerbücher mit Umrisszeichnungen.

Trotz aller Vorschriften ist keine Ikone wie die andere gemalt. Die stärkeren und feineren Differenzen und Nuancierungen geben den Ikonen ihren besonderen Reiz. Sie verraten die Handschrift des Malers oder die Auffassung der Malschule. In späterer Zeit zeigen sie -je- doch weniger reizvoll - die Einflüsse kunstgeschichtlicher Strömungen Westeuropas. Die Art, wie man eine Ikone herstellte, hat sich im Laufe der Jahrhunderte so gut wie gar nicht geändert. Zu Anfang des 8. Jahrhunderts, kurz vor Ausbruch des Ikonoklasmus kam eine neue Technik auf, die man bis heute beibehalten hat: das Malen mit Eitemperafarben. Bis dahin hatte man wie bei den Mumienbildnissen Enkaustik angewendet, ein Malverfahren, bei dem man erhitzte, durch Wachs gebundene Mineral-farben mit dem Spachtel aufträgt. Da man schnell arbeiten musste - abgekühlte Farben ließen sich nicht mehr verstreichen -, wirken in Enkaustik gemalte Ikonen oft improvisiert und impressionistisch. Der Spachtelstrich ist meist deutlich sichtbar. Als Untergrund für die Ikonen nimmt man Bretter aus nicht harzhaltigen Baumarten, zum Beispiel Buche, Birke, Erle, Pappel, Zeder und Zypresse, in byzantinischen Schulen vor allem Pinie, Nussbaum und Olive. Die Größe der Ikonen, die man in den Ikonenecken der Wohnungen aufhängt, beträgt im Allgemeinen etwa 30 x 35 cm; sie sind durchweg hoch-formatig, nur ausnahmsweise querformatig.

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